Rund vier von fünf pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden zu Hause versorgt – meist von Angehörigen, oft zusammen mit einem ambulanten Pflegedienst. Wer diese Aufgabe übernimmt, steht zunächst vor einer praktischen Frage: Was brauche ich eigentlich? Diese Checkliste für die Pflege zu Hause ordnet die Grundausstattung nach Bereichen, erklärt, worauf es bei der Auswahl ankommt, und zeigt, welche Hilfsmittel die Pflege- oder Krankenkasse übernimmt.
1. Hygiene und Schutz
- Einmalhandschuhe (Nitril): für Körperpflege, Inkontinenzversorgung und Wundkontakt; in der passenden Größe, 100er-Box. Details im Ratgeber Einmalhandschuhe.
- Händedesinfektionsmittel: am Waschbecken und am Pflegebett; alkoholfreie Varianten für empfindliche Haut.
- Flächendesinfektion: für Nachttisch, Toilettenstuhl, Bettgestell.
- Schutzschürzen oder Einwegkittel: bei Erbrechen, Durchfall oder Infektionen.
- Mund-Nasen-Schutz: bei Erkältung der Pflegenden oder infektanfälligen Pflegebedürftigen.
- Waschlappen aus Vlies, Einweg-Waschhandschuhe: hygienisch, kein Wäscheaufwand.
2. Inkontinenz und Bettschutz
- Körpernahe Versorgung: Einlagen, Vorlagen mit Fixierhose, Pants oder Slips je nach Stärke – siehe Ratgeber Inkontinenzprodukte.
- Bettschutz: Spannbettauflage mit Folie als Grundschutz, dazu waschbare oder Einweg-Auflagen im Beckenbereich – siehe Ratgeber Bettschutz.
- Hautschutz: pH-neutrale Waschlotion, Hautschutzcreme, bei Bedarf Zinksalbe.
- Entsorgung: geruchsdichte Beutel, ein Eimer mit Deckel.
3. Lagerung, Mobilität und Dekubitusschutz
- Lagerungskissen, Nackenrolle, Leseknochen: für Seitenlage, Fersenfreilagerung und bequemes Sitzen – siehe Ratgeber Leseknochen.
- Gel-Sitzkissen: für Rollstuhl oder Sessel bei langem Sitzen.
- Weichlagerungsmatratze: bei erhöhtem Dekubitusrisiko, ggf. auf Verordnung – siehe Ratgeber Dekubitusprophylaxe.
- Pflegebett, Aufstehhilfe, Rollator, Toilettenstuhl: größere Hilfsmittel, die ärztlich verordnet und vom Sanitätshaus geliefert werden.
- Rutschfeste Socken, Bequemschuhe mit Klettverschluss, Handwärmer für den Rollator: Sturzprophylaxe und Komfort.
4. Messen, Medikamente und Erste Hilfe
- Blutdruckmessgerät (Oberarm): Messung im Sitzen nach fünf Minuten Ruhe, Manschette auf Herzhöhe, Werte im Pflegetagebuch notieren. Oberarmgeräte sind für die Pflege in der Regel zuverlässiger als Handgelenksgeräte.
- Fieberthermometer, Pulsoxymeter: für Erkältungen und Atemwegserkrankungen.
- Blutzuckermessgerät: bei Diabetes nach ärztlicher Anleitung.
- Medikamentendosierer: Wochendosierer mit Tagesfächern, gefüllt nach Medikationsplan – siehe Ratgeber Alltagshelfer.
- Inhalator: bei Erkältung und chronischen Atemwegserkrankungen (Anwendung nach Herstellerangabe, Salzlösung nach Rücksprache).
- Verbandmaterial und Pflaster: sterile Kompressen, Mullbinden, Pflaster in verschiedenen Größen, Schere, Pinzette.
- Wund- und Hautpflege: Ringelblumencreme oder eine milde Pflegecreme für trockene Haut, Kühlkissen.
5. Alltagshilfen
- Öffnungshilfen, Einhand-Küchenhelfer, Tisch- und Kleckerschutz
- Trinkbecher mit Nasenaussparung, rutschfeste Unterlagen
- Greifzange, Türstopper mit Teleskopgriff, Nachtlicht mit Bewegungsmelder
- Notrufknopf oder Hausnotruf-System
Was die Kassen übernehmen
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (§ 40 SGB XI)
Pflegebedürftige mit anerkanntem Pflegegrad, die zu Hause gepflegt werden, haben Anspruch auf einen monatlichen Pauschalbetrag für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel: Einmalhandschuhe, Bettschutzeinlagen, Händedesinfektion, Flächendesinfektion, Mundschutz, Schutzschürzen und Fingerlinge. Der Antrag läuft über die Pflegekasse oder einen Anbieter, der die Produkte monatlich als „Pflegebox“ liefert. Den aktuellen Höchstbetrag nennt Ihre Pflegekasse.
Hilfsmittel auf Verordnung
Pflegebett, Rollator, Toilettenstuhl, Antidekubitus-Matratzen, aufsaugende Inkontinenzhilfsmittel, Blutzuckermessgeräte und Ähnliches werden ärztlich verordnet und von der Krankenkasse übernommen, meist als Leihgabe oder Grundversorgung mit möglicher Aufzahlung. Ihr Sanitätshaus kümmert sich um Antrag und Lieferung.
Weitere Leistungen
- Pflegekurse für Angehörige (§ 45 SGB XI): kostenfrei, auch als Schulung in der eigenen Wohnung.
- Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen: Zuschuss für Umbauten wie Haltegriffe, bodengleiche Dusche oder Türverbreiterung.
- Pflegeberatung (§ 7a SGB XI): individuelle Beratung durch die Pflegekasse oder den Pflegestützpunkt.
Organisation im Pflegealltag
- Pflegetagebuch: Vitalwerte, Trinkmenge, Hautbeobachtung, Stuhlgang, Besonderheiten – hilfreich für Arztbesuche und die Begutachtung des Pflegegrads.
- Medikationsplan: aktuell halten, bei jedem Arztbesuch mitnehmen.
- Feste Vorräte: Handschuhe, Einlagen und Desinfektion nie ganz aufbrauchen; ein Monatsvorrat ist eine gute Reserve.
- Notfallmappe: Diagnosen, Medikamente, Kontakte, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung an einem bekannten Ort.
- Eigene Gesundheit: Pflegende Angehörige brauchen Entlastung – Verhinderungspflege, Tagespflege und Kurzzeitpflege sind dafür da.
Wo Sie die Ausstattung bekommen
Verbrauchsmaterial und Alltagshilfen erhalten Sie in Apotheke, Sanitätshaus und Online-Handel; verordnete Hilfsmittel über das Sanitätshaus. Sanicura bündelt Hygiene- und Pflegebedarf, Bettschutz, Inkontinenzversorgung, Alltagshelfer und Messgeräte in einem Sortiment: Angehörige bestellen im Online-Shop, Pflegedienste und Sanitätshäuser über den Großhandelskatalog.




